History

Sonntag, 11. Mai 2008

Gedenken vs. Gedenken

Regelmäßig wird in Deutschland der etwa 6 Millionen jüdischen Opfer der Shoa gedacht. So richtig und notwendig dies ist, gerät dabei häufig in Vergessenheit, dass auch andere Bevölkerungsgruppen im Dritten Reich verfolgt, gequält und ermordert wurden. Zurecht beklagte sich der Zentralrat der Sinti und Roma wiederholt, dass der Völkermord an rund einer halben Million Sinti und Roma bis heute in Deutschland kaum Beachtung findet. Auch die Verfolgung und Ermorderung von Homosexuellen, "Andersdenkenden" und Behinderten durch das NS-Regime ist im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent.

Es ist eigentlich traurig, dass man im Vereinigten Königreich mit der Aufarbeitung dieser Verbrechen weiter zu sein scheint als in Deutschland, das sie immerhin verübte. Nicht zuletzt behandelt die nationale Holocaust Gedenkstätte des Vereinigten Königreichs alle Opfer des NS-Regimes gemeinsam, nicht nur einzelne Bevölkerungsgruppen. Es wäre schön, wenn man auch in Deutschland endlich diesem Beispiel folgen würde.

Montag, 5. Mai 2008

Churchill, Tea and the H-Bomb

Es ist immer wieder interessant was alles so zum Vorschein kommt, wenn die National Archives in Kew bislang geheime Akten freigeben. Nun wurden einige Dokumente veröffentlicht, die nach über 50 Jahren Erstaunliches zu Tage fördern:

Eine wesentliche Sorge der britischen Regierung war, dass es im Fall eines nuklearen Erstschlags gegen das Vereinigte Königreich zu massiven Engpässen bei der Teeversorgung kommen könnte. Eher zweitranging erscheint in diesem Dokument die Auflistung der 19 Städte, die einem solchen Angriff wahrscheinlich zum Opfer gefallen wären. Weitere Dokumente enthüllen u.a. den Ablauf der nicht ganz konfliktfreien Machtübergabe von Premier Churchill an seinen Nachfolger Eden, der ein wenig an die Spielchen zwischen Blair und Brown erinnert.

Donnerstag, 13. März 2008

Last French WWI Veteran dies

Gestern starb der letzte französische Veteran des 1. Weltkrieges. Anders als in Deutschland, wo der Tod des letzten Veteranen im Januar kaum wahrgenommen wurde, gab in Frankreich Staatspräsident Nicloas Sarkozy dieses Ende einer Ära persönlich bekannt. Aus Anlass des Todes des letzten Veteranen wird Frankreich in wenigen Tagen die Soldaten des Ersten Weltkrieges mit einem Staatsakt ehren.

Freitag, 15. Februar 2008

The (quite rightly) forgotten King

Heute stolperte ich über einen, ziemlich uninteressanten, Artikel über die Beisetzung von König George VI., die heute vor 56 Jahren stattfand. In diesem Artikel behauptet der Autor doch glatt, dass es das bislang letzte Begräbnis eines britischen Monarchen gewesen sei. Na da hat aber jemand im Geschichtsunterricht (oder bei Rolf Seelmann-Eggebert) nicht aufgepasst. Rufen wir uns noch einmal die britischen Monarchen des 20. Jahrhunderts in Erinnerung: Ins Auge fallen sollte hier jedem das Dreikönigsjahr 1936. Am 20. Januar starb Georg V. und sein Sohn wurde als Edward VIII. britischer König. Doch seine Herrschaft dauerte nur knapp elf Monate, denn am 11. Dezember des selben Jahres dankte er ab und sein Bruder übernahm als George VI. den Thron. Grund hierfür war die Beziehung Edwards mit Wallies Simpson, die für einen britischen Monarchen als höchst unstandesgemäß galt. Er ging in der Folge nach Frankreich ins Exil und erhielt pro forma den Titel des Duke of Windsor.

Auch wenn die königliche Familie Edward die Abdankung nie verzieh, war es wohl doch ein großer Glücksfall für das Vereinigte Königreich und den Rest der Welt. Edward äußerte in den folgenden Jahren immer wieder deutliche Sympathien für Hitlers nationalsozialistisches Regime und traf sich regelmäßig mit hochrangigen NSDAP-Mitgliedern. Er unterstützte die antisemitische und rassistische Politik der Nazis und sprach sich für ein Bündnis zwischen England und Nazi-Deutschland aus. Hitler wiederrum wollte ihn im Fall eines Sieges über England oder eines Bündnisses wieder als König einsetzen. Auf Initiative seines Bruders, König George VI. wurde Edward 1940 als Gouverneur auf die Bahamas beordert, um ihn von den Nazis fernzuhalten.

Nach dem Krieg kehrte Edward nach Frankreich zurück und starb schließlich 1972, 20 Jahre nach seinem Bruder George. Die Beerdigung George VI. am 15. Februar 1952 war damit nicht die bislang letzte Beisetzung eines britischen Monarchen. Auch wenn Edward VIII. nur 11 Monate regierte so war er dennoch offiziell König, so ungerne man sich daran erinnert.

Dienstag, 5. Februar 2008

Remembering an Era

Am kommenden Wochenende wird der Flugzeugträger HMS Ark Royal an den Ort zurückkehren, an dem seine Geschichte vor 30 Jahren begann, nach Tyneside. 1978 war der heutige Stolz der Royal Navy hier bei Swan Hunter auf Kiel gelegt worden und die Marine erinnert während des Besuchs gerne an dieses Ereignis. Was bei all den Feierlichkeiten jedoch von offizieller Seite gerne verdrängt wird ist, dass die Ark Royal auch der letzte Flugzeugträger war, der am Tyne vom Stapel lief.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Flüsse Tyne und Clyde die unangefochtenen Zentren des globalen Schiffbaus. Mehr als die Hälfte aller weltweit gebauten Schiffe lief dort vom Stapel. Noch heute wird entlang der Flüsse gerne an die glorreiche Zeit erinnert, als die größten und berühmtesten Schiffe der Welt an ihren Ufern das Licht der Welt erblickten. Doch mit dem Untergang des Empire rutschte der britische Schiffbau schließlich von einer Krise in die nächste. Werftenfusionen und Verstaatlichungen waren letzte verzweifelte Versuche wenigstens noch etwas von der einstigen Größe zu bewahren, meist ohne Erfolg.

Am Clyde überlebten immerhin zwei der einst zehn großen Werften in Govan und Scotstoun und mit den milliardenschweren Aufträgen für die Daring Class und die Flugzeugträger der Queen Elizabeth Class scheint ihre Zukunft zumindest für einige Jahre gesichert.

Am Tyne jedoch ist die Ära des Schiffbaus endgültig zu Ende. Am 3. September 2005 lief mit dem Docklandungsschiff Lyme Bay das letzte am Tyne gebaute Schiff vom Stapel. Unmittelbar danach stellte Swan Hunter als letzte verbliebene Werft nach 145 Jahren den Betrieb ein. Einst Arbeitgeber für 100.000 Menschen, wird schon in Kürze nichts mehr an die großen Werften am Tyne erinnern, die den Fluss und die Region über mehr als ein Jahrhundert prägten und zum Stolz des Empires wurden.
“I can remember coming down and seeing Illustrious and Ark Royal being launched. My two children and the children of the future will never experience what it was like watch a ship being launched — the noise of the chains being dragged into the river and the hustle and bustle of the crowds. It was a very proud time.” - Mike Adie

Samstag, 26. Januar 2008

Last German WWI Veteran dies unnoticed

Am 1. Januar starb der letzte deutsche Soldat des 1. Weltkrieges. Während unter anderem in England, Frankreich und Kanada ein Staatsbegräbnis für den jeweils letzten Veteranen geplant ist, nahm in Deutschland kaum jemand Notiz von diesem Ende einer Ära. Erst nach drei Wochen wurden deutsche Journalisten auf dieses Ereignis aufmerksam - und das auch nur durch den entsprechenden Wikipedia-Artikel. Ist es wirklich angemessen, dass ein Land lang und breit den Tod eines 28-jährigen Schauspielers im weit entfernten New York betrauert, während sein letzter Veteran des "Großen Krieges" den Nachrichten nicht einmal eine Kurzmeldung wert ist? Harry de Quetteville vom Daily Telegraph stellt hier zurecht den Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte in Frage.

Dienstag, 22. Januar 2008

The World's first Trainspotter

Auch wenn viele Deutsche bei dem Begriff Trainspotting zuerst an den Film von Danny Boyle denken, so hat es damit doch eigentlich recht wenig zu tun. Seit Jahrzehnten stehen Eisenbahnfans bei Wind und Wetter an den Bahnstrecken und beobachten die vorbeifahrenden Züge. Auch wenn die Anzahl der Trainspotter deutlich abgenommen hat, so gehören sie, gerade in England, noch immer zum gewohnten Bild entlang der Bahnstrecken.

Das National Railway Museum in York glaubt nun, den allerersten Trainspotter identifiziert zu haben. Eine Zeichnung des 14-jährigen John Backhouse aus dem Jahr 1825 gilt als die weltweit erste Darstellung eines fahrenden Zuges. Sie zeigt die Jungfernfahrt der ersten Eisenbahn der Welt auf der Stockton and Darlington Railway am 27. September 1825. Damit ist bewiesen, dass dieses von manchen belächelte Hobby (fast) genauso alt ist, wie die Eisenbahn selber - und selbstverständlich ebenfalls von einem Engländer "erfunden" wurde.

Freitag, 11. Januar 2008

Sir Edmund Hillary dies

Sir Edmund Hillary, der als erster Mensch den Mount Everest bestieg, starb heute im Alter von 88 Jahren. 1953 bezwang er als Mitglied der britischen Mount Everest Expedition den höchsten Berg der Welt. Die Nachricht vom Erfolg erreichte London drei Tage später, am 2. Juni, dem Vorabend der Krönung von Elizabeth II. Als Anerkennung für seine Leistung wurde er noch im selben Jahr zum Ritter geschlagen und 1995 von Königin Elizabeth II. in den Order of the Garter aufgenommen. Zudem war er in den 80er Jahren Botschafter Neuseelands in Indien und erhielt 2003 die Ehrenbürgerwürde Nepals für sein lebenslanges Engagement für die Sherpas.

BBC News - Everest hero Edmund Hillary dies

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Queen becomes oldest Monarch in British History

Mit dem heutigen Tag ist Königin Elizabeth II. die älteste britische Monarchin aller Zeiten. Um 18:00 Uhr MEZ wird sie den "Rekord" Königin Victorias übertreffen, die 81 Jahre, 7 Monate und 29 Tage alt wurde.

Den Rekord als am längsten regierende britische Monarchin wird sie allerdings erst im September 2015 einstellen, da Königin Victoria knapp acht Jahre jünger war, als sie den Thron bestieg.

Dienstag, 20. November 2007

Londons Eiffelturm

Während Frankreich inzwischen gezwungen ist, Teile seines Nationalheiligtums zu verschachern, gerät immer mehr in Vergessenheit, dass auch London beinahe seinen eigenen Eiffelturm gehabt hätte - oder um genau zu sein, seinen Watkin's Tower. 1891 begann der Unternehmer und Politiker Sir Edward Watkin mit dem Bau eines Turms im Nordwesten Londons, der mit einer Höhe von 353 Metern sein Pariser Gegenstück um mehr als 50 Meter überragen und zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung das höchste Gebäude der Welt sein sollte.

Doch es zeigte sich bald, dass Watkin zwar ein brillianter Politiker aber kein Statiker war. Nachdem erst 1/7 des Turms fertiggestellt war begann das Fundament abzusacken und das Gebäude geriet in Schieflage. Wenig später war die Firma pleite und 1894 wurden die Bauarbeiten endgültig gestoppt. 1907 wurden die letzten Reste des einstigen Prestigeprojektes gesprengt.

Erfolgreicher als Watkin waren James Maxwell und Charles Tuke, die ebenfalls 1891 mit dem Bau des Blackpool Tower begannen, der 1894 feierlich eröffnet wurde. Mit ihm erhielt England zumindest seinen "kleinen Eiffelturm". Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, woher Gustave Eiffel eigentlich die Idee für seinen Turm hatte. In den frühen 80er Jahren schaute Eiffel dem großen britischen Ingenieur Sir Benjamin Baker bei der Konstruktion der gewaltigen Forth Railway Bridge über die Schulter. Die Ähnlichkeit zu seinem späteren Turm ist kaum zu übersehen, auch wenn dieser gegenüber der Forth Railway Bridge mit 7.300 Tonnen ein regelrechtes Leichtgewicht ist.

Letztlich hatte der Abriss des Watkin's Tower auch noch ein Gutes: auf seinem Bauplatz entstand 1923 mit dem Empire Stadium das wohl berühmteste Stadion der Welt, besser bekannt unter seinem späteren Namen Wembley.

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