British Military

Samstag, 10. Mai 2008

UK Weapons of Mass Destruction

In den vergangenen Monaten und vor allem nach meinem Beitrag über das britische und französische Atomwaffenprogramm erreichten mich mehrere e-mails mit Fragen zu britischen Massenvernichtungswaffen. Da das Thema scheinbar doch einige Leute interessiert, will ich einige der Fragen jetzt auch noch einmal hier im Blog beantworten:

Wieviele Atomwaffen hat Großbritannien?

Die exakte Zahl ist unbekannt und variiert, da kontinuerlich alte gegen neue Systeme ausgetauscht werden und dies nicht immer 1:1 geschieht. Allgemein ist von etwa 200 nuklearen und thermonuklearen Sprengköpfen auszugehen, +/- 20. Eine Reduzierung auf maximal 150 Sprengköpfe ist bis 2025 geplant.

Gibt es noch US-amerikanische Atomwaffen in Großbritannien?

Derzeit lagern noch etwa 100 amerikanische Atombomben auf dem Luftwaffenstützpunkt Lakenheath in Suffolk.

Welche Sprengkraft haben die britischen Atombomben?

Allgemein geht man davon aus, das mindestens vier unterschiedliche Typen von Atomsprengköpfen zwischen 0,3 und 100 Kilotonnen existieren.
Wer kann den Befehl zum Einsatz geben?

Das Kommando zum Abschuss der Atomraketen wird offiziell durch den britischen Premierminister erteilt. Der Monarch als Staatsoberhaupt hat hingegen keine Verfügungsgewalt.

Können die Atomwaffen nur mit Hilfe der USA eingesetzt werden?

Nein, das britische Atomwaffenprogramm ist komplett eigenständig. Zwar nutzt Großbritannien die Trident Atomraketen aus einem gemeinsamen Pool mit den USA, die Sprengköpfe und U-Boote sind jedoch komplett britisch und die USA haben keinen Einfluss auf den Einsatz der Waffen.

Werden die britischen Atomwaffen tatsächlich in einfachen LKW transportiert?

Der Transport zwischen der Basis Coulport und der Atomwaffenfabrik in Aldermaston erfolgt in der Tat per LKW. Hierbei handelt sich um gepanzerte Spezialfahrzeuge die immer in Konvois mit Sicherheitsfahrzeugen und Hubschraubern unterwegs sind.

Sind die Einsatzpläne britischer Atom-U-Boote mit Frankreich und den USA abgesprochen?

Nach allem was bekannt ist koordinieren Frankreich und Großbritannien die Einsätze ihrer insgesamt 7 (GB 4, F 3) ballistischen Atom-U-Boote miteinander. Bezüglich der USA ist keine derartige Absprache bekannt, wahrscheinlich besteht jedoch auch hier eine gewisse Koordination der Einsätze im Rahmen der NATO.

Hat Großbritannien auch biologische und chemische Waffen?

Nein, Großbritannien stellte in den späten 70er Jahren offiziell die Entwicklung von Bio- und Chemiewaffen ein und vernichtete die letzten Bestände 2002. Wie viele andere Länder auch entwickelt das britische Militär allerdings weiterhin Medikamente und Impfstoffe gegen biologische und chemische Kampfstoffe, weswegen geringe Mengen von diesen weiterhin zu Testzwecken vorgehalten werden.

Was hat es mit "Porton Down" auf sich?

Porton Down ist das wohl am besten gehütete Geheimnis des Vereinigten Königreichs. Es ist eine Forschungseinrichtung des britischen Militärs in der nachweislich mit nuklearen, biologischen und chemischen Kampfstoffen gearbeitet wurde. Bis in die 70er Jahre fanden dort Versuche mit hochtoxischen Materialien an Soldaten statt, von denen etliche dabei starben oder schwere Schäden davontrugen. Nachweislich in Porton Down entwickelt wurden beispielsweise das eher harmlose CS-Gas (Tränengas) oder Anthrax als biologischer Kampfstoff. Über die aktuelle Verwendung der Anlage ist nur bekannt, dass dort Impfstoffe gegen biologische Waffen entwickelt werden.

Was jedoch genau in Porton Down ablief oder heute noch abläuft ist reine Spekulation, da der Großteil der Akten weiterhin unter Verschluss liegt. Experten gehen davon aus, dass an keinem anderen Ort der Welt mit so vielen hochtoxische Stoffen gearbeitet wurde/wird wie in Porton Down. In England selber wird der Ort auch gerne als "Doomsday Chamber" (Weltuntergangskammer) bezeichnet. Aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe gibt es zudem etliche Verschwörungstheorien über Außerirdische oder genetisch veränderte "Supersoldaten" in Porton Down.

Was ist "Anthrax Island"?

"Anthrax Island" heißt eigentlich Gruinard Island und liegt vor der Küste Schottlands. 1942 wurde auf ihr umfangreiche Tests mit dem biologischen Kampfstoff Anthrax durchgeführt, die zur totalen Verseuchung der Insel führten, welche deshalb fast 50 Jahre lang ein absolutes Sperrgebiet blieb. Erst 1990 wurde die Insel nach einer kompletten Dekontamination offiziell wieder freigegeben, wobei der Zutritt bis heute streng limitiert ist.

Donnerstag, 3. April 2008

Royal Marine to be awarded the Victoria Cross

Der Begriff des Helden wird inzwischen sehr inflationär gebraucht, doch gelegentlich ist diese Bezeichnung zutreffend. Als eine Einheit der Royal Marines kürzlich in Afghanistan ein Versteck der Taliban inspizierte wurde eine Sprengfalle ausgelöst. Der 24-jährige Lance Corporal Matt Croucher warf sich daraufhin auf den Sprengsatz um seine Kameraden zu retten. Zum Erstaunen aller überlebte er die Explosion mit lediglich leichten Verletzungen.

Für seinen mutigen und selbstlosen Einsatz wurde er nun von seinen Vorgesetzten für das Victoria Cross vorgeschlagen, die höchste militärische Auszeichnung des Vereinigten Königreichs für außerordentliche Leistungen im Einsatz. Seit dem 2. Weltkrieg wurde das VC bislang nur 13 Mal verliehen.

Samstag, 22. März 2008

Frankreich reduziert Atomwaffenarsenal

Nach Großbritannien wird nun auch Frankreich sein Atomwaffenarsenal auf unter 300 Sprengköpfe reduzieren. Anlässlich der Taufe des ballistischen Atom-U-Bootes Le Terrible in Cherbourg kündigte Präsident Sarkozy eine deutliche Reduzierung des Arsenals um etwa 1/3 an.

Anders als Großbritannien möchte Frankreich jedoch auch weiterhin eine luftgestützte Komponente beibehalten, wenn auch in deutlich reduziertem Umfang. Großbritannien musterte 1998 seine letzten Atombomben zum Einsatz durch Kampfflugzeuge aus und hat seitdem seine Sprengköpfe komplett auf den vier Atom-U-Booten der Vanguard Klasse stationiert. Frankreich wird jedoch neben den Sprengköpfen auf seinen derzeit drei U-Booten der Triomphant Klasse (das vierte wird 2010 in Dienst gestellt) auch weiterhin Atomwaffen zum Einsatz durch Flugzeuge bereithalten.

Inwiefern dies sinnvoll ist ist fraglich. Die zukünftigen französischen Atomraketen M51 werden zwar mit 8000 Kilometern eine geringere Reichweite haben, als die britisch-amerikanischen Trident, jedoch erheblich mehr als die für den Atomwaffeneinsatz vorgesehenen Kampfflugzeuge Mirage und Rafale, deren Reichweite deutlich unter 2000 Kilometern liegt. Im Klartext: Die U-Boote könnten mit ihren Raketen so gut wie jedes potenzielle Ziel erreichen und stellen eine ernstzunehmende Abschreckung dar, die Flugzeuge hingegen nicht. Genau vor diesem Hintergrund gab Großbritannien in den 90er Jahren seine kostspieligen luftgestützten Atomwaffen auf.

Großbritannien hat sein Arsenal bereits von einst 680 auf heute etwa 200 Sprengköpfe reduziert. Frankreichs Arsenal wird in den kommenden Jahren auf etwa 250 Sprengköpfe sinken, von einst 550 in den 80er Jahren. Die Beibehaltung der nuklearen Abschreckungsapparate Großbritanniens und Frankreichs steht (für mich) außer Frage aber gerade aufgrund der ernormen Kosten dieser Systeme sollte gelten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Medien und Geheimhaltung

Die meisten konnten es sich in den vergangenen Wochen ja schon zusammenreimen, nun war das MOD gezwungen es auch offiziell zu bestätigen: Prince Harry operiert seit 2 1/2 Monaten mit seiner Einheit in Afghanistan. Im Vorfeld des Einsatzes hatte das Verteidigungsministerium in einem bislang einmaligen Schritt ein Abkommen mit den Medien geschlossen, nicht über den Einsatz zu berichten, um eine zusätzliche Gefährdung der Einheit zu verhindern und einen möglichst normalen Einsatz zu ermöglichen.

Doch einigen deutschen und US-amerikanischen Medien waren Quote und Sensationsgier wieder einmal wichtiger und sie veröffentlichten entgegen aller Absprachen Informationen über den Einsatz, der nun vorzeitig abgebrochen werden wird. Es bleibt anzumerken, dass sich die britische Presse interessanterweise an alle Absprachen hielt. Darüber sollte man einmal nachdenken, wenn hierzulande mal wieder auf die "bösen britischen Medien" eingedroschen wird!

Donnerstag, 13. Dezember 2007

UKNDA

Die britischen Streitkräfte stehen seit Jahrhunderten im Zentrum britischer Außenpolitik. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind sie weltweit, weit über die Grenzen Iraks und Afghanistans hinaus, im Einsatz. Das britische Militär unterhält derzeit Stützpunkte in über 40 Ländern. Bei Katastrophen wie dem Seebeben im Indischen Ozean 2004 zeigt sich regelmäßig, dass die britischen Streitkräfte weit mehr als nur ein Instrument der Kriegführung sind. Die Schiffe der Royal Navy und die Transportflugzeuge der Royal Air Force brachten damals mehr Hilfsgüter in die Region als jede andere Nation oder Organisation.

Doch seit dem Wahlsieg von New Labour 1997 leiden die britischen Streitkräfte unter massiven Budgetkürzungen und Rationalisierungsmaßnahmen, die besonders seit 2004 dramatisch zugenommen haben. Flugzeugträger sind teilweise ohne Flugzeuge unterwegs, da das Verteidigungsministerium zu viele Kampfjets ausgemustert hat. Im Irak sterben britische Soldaten, weil die Regierung nicht genug kugelsichere Westen finanziert. Über Afghanistan explodiert ein Aufklärungsflugzeug, weil die Wartungsintervalle aus Kostengründen in die Länge gezogen wurden.

Der Oberbefehlshaber der Royal Navy, Admiral Sir Jonathan Band, fasste die Situation Anfang des Jahres kurz und präzise zusammen:
Britain is at risk of turning into Belgium!
(The Times, 17. Februar 2007)

Um diesem Trend entgegenzuwirken und weiterhin eine globale britische Präsenz auf hohem Niveau sicherzustellen, wurde nun die United Kingdom National Defence Association (UKNDA) gegründet. Sie setzt sich nicht nur aus Vetretern aus Politik und Wirtschaft, sondern auch aus "normalen Bürgern" zusammen. Vorsitzender der UKNDA ist Winston Churchill, Enkel des berühmten Kriegspremiers. Ziel der Organisation ist es, die Regierung zu einer vernünftigen Verteidigungspolitik zu bewegen. Ferner steht die umfangreiche und akkurate Information der Öffentlichkeit im Zentrum der Arbeit der UKNDA.

Donnerstag, 15. November 2007

Skynet 5 becomes operational

Mit dem Start des zweiten Skynet 5 Satelliten befindet sich seit gestern abend die neueste Generation britischer Militärsatelliten im All. Damit wird nun die gesamte Kommunikation der britischen Streitkräfte bei weltweiten Einsätzen über das neue System abgewickelt werden. Skynet 5 gilt derzeit als das modernste militärische Kommunikationssystem der Welt und ersetzt die inzwischen veralteten Skynet 4 Satelliten aus den 90er Jahren. Besonders die Kriegsschiffe der Royal Navy und die Flugzeuge der Royal Air Force werden von der neuen Technologie profitieren, die nun an jedem Ort der Welt die Übertragung größter Datenmengen über gesicherte Leitungen in Echtzeit ermöglicht.

Sonntag, 11. November 2007

Remembrance Day - Lest We Forget!

Samstag, 10. November 2007

Surviving WWI Veterans

Anlässlich des morgigen Remebrance Day führte die BBC kürzlich Interviews mit allen 5 noch lebenden britischen Veteranen des Ersten Weltkrieges. Der jüngste von ihnen ist derzeit 106 Jahre alt, der älteste 111.

BBC News - Surviving WWI: Veterans' stories

Montag, 10. September 2007

England erhält größtes künstliches Riff der Welt!

Die britische Marine, die Royal Navy, hat in den vergangenen Jahren im Zuge ihrer Flottenverkleinerung eine ganze Reihe von Kriegsschiffen ausgemustert. Diese sind nun teilweise seit Jahren in Portsmouth und Devonport eingelagert und rosten vor sich hin. Daher suchte man nach Methoden, diese Schiffe schnell, kostengünstig und dennoch sicher zu entsorgen. Bereits im März 2004 wurde die Fregatte HMS Scylla in der Whitsand Bay vor Cornwall versenkt, um ein künstliches Riff zu schaffen. Dieses entwickelte sich seitdem so positiv, dass nun ein weiteres Projekt in wesentlich größerem Maßstab folgen soll.

Bis zu 12 Kriegsschiffe sollen in der Seaford Bay vor der beeindruckenden Kulisse der Seven Sisters versenkt werden und so das größte künstliche Riff der Welt schaffen. Es soll die touristische Bedeutung der Region erhöhen und insbesondere Tauchtouristen anlocken, ähnlich wie es seit Jahrzehnten in Scapa Flow der Fall ist. Somit würde die einst stolze Flotte auch zukünftig eine sinnvolle Funktion haben, wenn auch dieses Mal unter Wasser.

Daily Telegraph - Navy warships will be sunk to create dive site

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